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1. Februar 2012

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Wiener Gebiertskrankenkasse stoppt Psychotherapie

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Die Kürzung könnte rund 225.000 Patienten im Jahr treffen

Wien - Die Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (VÖPP) schlägt Alarm: die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) hat aus budgetären Gründen dem größten psychotherapeutischen Versorgungsverband alle Neuanträge für Einzel-Psychotherapie gesperrt - voraussichtlich bis zum Frühjahr 2013. Betroffen sind 550 Psychotherapeuten, die über die Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung (WGPV) mit der WGKK abrechnen, bzw. hat das nachhaltige Auswirkungen für  rund 225.000 Patienten pro Jahr. Laufende Behandlungen und Anträge auf Kostenzuschuss sowie auch Therapien für Kinder sollen jedoch nicht betroffen sein.

Andere Vereine bzw. Institutionen sind von dieser Maßnahme vorerst nicht betroffen, wie z.B. die Psyochosozialen Dienste. Laut WGKK gibt es einen zweiten Verein, den Verein für ambulante Psychotherapie (VAP), der über ein Kontingent von 45.000 Stunden verfüge und somit Kapazitäten für neue Anträge auf Therapie hat.

Die WGKK begründet ihre Vorgehensweise damit, dass seit Jahren mit den Vertragspartnern Stundenkontigente vereinbart wurden, die von der WGPV regelmäßig überzogen wurden. Bei diesem Verrechnungsmodell wird ein Pauschalbetrag für eine gewisse Stundenleistung zugeordnet. Jährlich ausgemacht gewesen sei ein Kontingent von knapp 74.000 Stunden, der Verein (WGPV) habe in der jüngeren Vergangenheit jedoch rund 28.000 Stunden zu viel verbucht.

So lobenswert einerseits der Sparwille der WGKK ist, so fragwürdig ist es andererseits, wie sinnvoll bzw. ethisch richtig es ist gerade bei jener Menschengruppe den Sparstift anzusetzen, die ohnedies schon geschwächt ist und von der man weiß, dass sie durch unsere gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stark im Wachsen ist. Irgendwie kann man sich nicht des Eindrucks erwähren, dass manchen im Gesundheitswesen es lieber ist Psychopharmaka, wie z.B. Antidepressiva, zu verschreiben, als den Menschen auf nichtmedikamentöse Weise zu helfen.

Auch Grüne üben Kritik und sprechen von Zwei-Klassen-Medizin
Scharfe Kritik am Vorgehen der WGKK übte unterdessen der grüne Gesundheitssprecher Kurt Grünewald: ?Die Verweigerung einer adäquaten und notwendigen Versorgung wäre bei körperlich Kranken undenkbar und würde allgemeine Empörung auslösen. Die Wiener Gebietskrankenkasse soll diese Diskriminierung psychisch Kranker sofort stoppen. Wenn die Kassen den Auftrag haben, PatientInnen Therapien nach neuestem Erkenntnisstand ausreichend und angemessen anzubieten, dann muss das auch für psychisch Kranke gelten. Spät erkannte Störungen, verzögerte Diagnosen und überlange Wartezeiten auf eine geeignete Therapie fördern Chronifizierungen, Arbeitsausfälle durch lange Krankenstände und erhöhen die Zahl von Invaliditätspensionen. All das zusammen kommt eklatant teurer als die Finanzierung einer zeitgemäßen und ausreichenden Versorgung. Pro Versichertem werden in Deutschland hier entschieden mehr Mittel eingesetzt, während Österreich im Reich der Planungen und Versprechungen verharrt?, kritisiert Grünewald. ?Diese hier zu Tage tretende Zwei-Klassen-Medizin und Diskriminierung muss ein Ende haben?, fordert Grünewald und erwartet dazu ein eindeutiges politisches Bekenntnis.

 

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  (bs)


 

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