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17. Jänner 2012
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Aufrufe: 4432
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Kleidung: Hersteller spionieren Kunden aus
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RFID-Chips in Produkten bedrohen Privatsphäre
Bielefeld/Wien
- Viele Kleidungshersteller versehen ihre Produkte aus logistischen Gründen mit
RFID-Chips. Diese werden meist nicht entfernt, bevor die Textilien in den Handel
kommen. Die Chips ermöglichen die Erstellung von Bewegungsprofilen der
Kleidungsträger. "RFID-Chips werden schon seit Jahren in verschiedenste Produkte
integriert. Die Anwendungen stecken aber noch in den Kinderschuhen. Aus der
Datenschutz-Perspektive gibt es zwar ein Problem, es ist aber noch nicht
schlagend, weil die Infrastruktur fehlt. Da die Entfernung der Einnäher mühsam
wäre und die Zukunft neue Anwendungen verspricht, bleiben die Etiketten dran",
sagt ARGE-Daten-Obmann Hans Zeger
http://www.argedaten.at .
Im Etikett versteckt
Die Chips, die meist in ein Etikett eingenäht sind, enthalten eindeutige
Produkt- und Seriennummern. Die Daten können über eine Distanz von mehreren
Metern ausgelesen werden. In Deutschland protestiert der Datenschutzverein
FoeBud http://www.foebud.org
vor einem Kaufhaus in Bielefeld, um auf die Missstände aufmerksam zu machen, wie
die Zeit berichtet. Die Industrie argumentiert, dass die RFID-Chips lediglich
zur Überwachung von Warenströmen dienen. Allerdings ermöglichen die winzigen
Funk-Chips nicht nur die zweifelsfreie Identifizierung von Kleidungsstücken.
Auch die Träger der betroffenen Textilien sind eindeutig identifizierbar. "Die
Leute können sich nicht vorstellen, was mit solchen Daten gemacht werden kann.
Bewegungsprofile ermöglichen einen intensiven Einblick ins Privatleben eines
Menschen", sagt Zeger.
Das Auslesen der Daten erfolgt über Lesegeräte, die frei erhältlich sind. Ein
entsprechendes Gerät lässt sich im Netz bereits ab 50 Euro erwerben. "Es gibt
verschiedene Arten von Chips, die auf unterschiedliche Distanzen ausgelesen
werden können. Billige Lesegeräte sind oft Schrott und eignen sich nicht zum
Auslesen aller Chips", erklärt Zeger. Trotzdem kann jeder für relativ wenig Geld
die Daten auslesen.
Vor Kauf entfernen
Die Proteste von FoeBud beziehen sich momentan hauptsächlich auf den
Kleidungsproduzenten Gerry Weber. Aber auch andere Firmen, wie etwa Peuterey
http://www.peuterey.it ,
nähen seit Jahren RFID-Chips in ihre Produkte ein. Peuterey hat sogar schon
einen Big Brother Award für diese Praxis erhalten. Die preisgekrönten Einnäher
waren sogar mit einem "Dieses Etikett nicht entfernen"-Aufdruck versehen.
Datenschützer sehen darin einen Eingriff in die Grundrechte der Konsumenten.
Mit Lesegeräten in Türen und Bodenbelägen könnten praktisch lückenlose
Bewegungsprofile erstellt werden, ohne dass die Betroffenen etwas davon merken.
"Konsumenten haben ein Recht darauf, sich unbeobachtet bewegen zu können", so
Zeger. Datenschützer verlangen eine Entfernung der RFID-Chips bevor die Kleidung
an den Kunden geht. Seit Jahren will FoeBud durchsetzen, dass die elektronischen
Spione an den Kassen der Kaufhäuser entfernt werden müssen. Die Mindestforderung
ist eine Informationspflicht, die Hersteller zur Kennzeichnung von Produkten mit
RFID-Chips verpflichten soll.
"Hier ist die Politik gefordert, entsprechende Regelungen zu erlassen. Starke
elektromagnetische Felder können die Chips zerstören. Händler könnten
entsprechende Stationen in den Geschäften anbringen. Waren, die das aushalten,
können auch in der Mikrowelle gesäubert werden", sagt Zeger. (pressetext.redaktion)
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