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9. November 2011
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Aufrufe: 4067
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Nigeria: Flaschenhäuser als Chance für Umweltschutz
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Experte erläutert Probleme mit Plastikmüll und Wohnungsnot
Sabon
Yelwa/Bonn - Ein Projekt der NGO Development for Renewable Energies (DARE) hat
in Nigeria ein Projekt initiiert, in dessen Rahmen aus Plastikflaschen Häuser
errichtet werden. Man will damit einen Beitrag gegen die Umweltverschmutzung
durch PVC-Müll leisten und auch einen Ausweg aus der gravierenden Wohnungsnot
zeigen. Thomas Mösch, Leiter der Afrika-Programme der Deutschen Welle
http://dw-world.de , spricht
über die Situation in dem westafrikanischen Staat.
14.000 Flaschen für ein Haus
Fehlende Unterkünfte und Umweltverschmutzung werden in Nigeria zunehmend ein
Problem. Laut DARE fehlen im Land rund 16 Millionen Unterkunftseinheiten und
tagtäglich fallen drei Mio. Plastikflaschen als Müll an. Nun läuft im Dorf Sabon
Yelwa ein Pilotprojekt, in dem ein Bungalow errichtet wird. Die leeren
Flüssigkeitsbehälter spielen als Baumaterial eine wichtige Rolle.
Gefüllt mit Sand und eingefasst in Zement und Erde soll die fertige Konstruktion
feuerfest, kugelsicher und erdbebenresistent sein. Im Inneren des
"Plastikhauses" soll die gute Isolierung eine Raumtemperatur von 18 Grad Celsius
gewährleisten. Die Vorzeigekonstruktion, die schon großteils fertiggestellt ist
und 58 Quadratmeter Wohnfläche aufweist, wird am Ende rund 14.000 Flaschen
verbraucht haben. DARE will in Zukunft Maurer ausbilden, um das Vorhaben in die
Breite zu tragen. Als zweiter Musterbau soll eine Schule entstehen.
Plastiktüten im Wind
Mösch bestätigt die Schilderungen von DARE. "Insbesondere im urbanen Bereich,
von den Zentren bis hin zu kleinen Städten, ist die Wohnungsknappheit ein
Riesenproblem", erläutert der Experte. "Viele Menschen leben dicht gedrängt in
Wohnraum, der im Verhältnis zum Lebensstandard sehr teuer ist."
Auch die Umweltverschmutzung durch Plastik gibt Grund zur Sorge, da in Nigeria
kein geregelter Recyclingkreislauf existiert. "Die Sachen werden weggeworfen,
manche Leute versuchen etwas wiederzuverwerten. Doch am Ende landet alles auf
Müllkippen in der freien Landschaft und wird verbrannt", erzählt Mösch. Sehr oft
zieren Plastiktüten die Landschaft, die zur Verpackung vieler Waren verwendet
und sehr leicht vom Wind davongetragen werden. "Dazu wird immer mehr - auch das
Trinkwasser - in Plastikflaschen abgefüllt", so der Afrika-Fachmann.
Politische Hilfe nicht zu erwarten
Insbesondere hier sieht Mösch Potenzial für das DARE-Projekt, da die
plastikgestützten Unterkünfte stabiler sind als die meist aus Lehmziegeln
errichteten Häuser traditioneller Bauart. Durch den Bedarf an Flaschen entsteht
zudem ein Verwertungskreislauf. Und auch der Preis ist ein Argument. Mit Kosten
von circa zwei Mio. Naira (entspricht etwa 9.200 Euro) erweist sich das Haus in
Sabon Yelwa nach Aussagen der Organisation als deutlich günstiger als seine
Alternativen.
Sollte das Hausprojekt breit vorangetrieben und vermarktet werden, so kann sich
Mösch vorstellen, dass es auch den Mangel an Unterkünften lindern könnte. Von
der Regierung in Abuja ist dabei jedoch keine Hilfe zu erwarten. "Der Staat
Nigeria kümmert sich kaum um solche Fragen. Hilfe von der Politik ist
bestenfalls auf lokaler Ebene möglich. Und auch nur dann, wenn es gelingt, den
Governeur des jeweiligen Bundesstaates von der Sache zu überzeugen."
Geteiltes Land
Nigeria liegt an der Westküste des afrikanischen Kontinents und zählt 152 Mio.
Einwohner. Präsident und Staatsoberhaupt des Landes ist seit Februar 2010
Goodluck Jonathan. Es kommt immer wieder zu gewaltsamen Konflikten in der
Bevölkerung, die teilweise religiös motiviert sind. Der Norden Nigerias ist
muslimisch geprägt, das Nigerdelta wird mehrheitlich von Christen bewohnt. Im
Human Development Index der UNO belegt der Staat den 158. Rang, 2009 lag das
nominale BIP pro Kopf bei 1.142 Dollar (rund 831 Euro). (pressetext.redaktion)
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