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Zeitforscher: "Zeit kann man nicht kaufen"
Philadelphia/Bamberg/Klagenfurt - Denken Menschen über die Zeit nach,
so suchen sie in Folge eher Kontakt zu anderen. Sie werden dabei glücklicher als
andere, die an Geld denken und dadurch zur Arbeit angespornt werden. Das
berichten US-Forscher in der Zeitschrift "Psychological Science". "Unsere
Gesellschaft krankt daran, dass sie sich ständig nur beschleunigt. Wer sich mit
Raum, Zeit und dem eigenen Leben beschäftigt, gewinnt leichter Abstand vom
Alltag und erkennt besser, was wichtig ist", kommentiert der Bamberger Soziologe
Fritz Reheis
http://www.fritz-reheis.de, Autor mehrerer Sachbücher zum Umgang mit Zeit, die Ergebnisse.
Schon Gedanken machen einen Unterschied
Die Forscher der University of Pennsylvania
http://www.upenn.edu brachten
ihre Testpersonen zunächst dazu, unbewusst an Zeit oder an Geld zu denken. Sie
ließen sie Wörterrätsel lösen, bei denen entweder Begriffe wie "Uhr" oder "Tag"
vorkamen, oder jedoch solche wie "Wohlstand" oder "Dollar". Dann kam die Frage,
wie man die nächsten 24 Stunden verbringen werde. Jene aus der "Zeitgruppe"
planten dabei verhältnismäßig mehr Zeit für Freunde oder Familie ein, die
"Geldgruppe" mehr für die Arbeit.
Wiederholt wurde das Rätsel in einem Studentencafe. Nun beobachteten die
Forscher auch, wie sich die Getesteten im Anschluss verhielten. Diejenigen, die
sich mit Zeitbegriffen beschäftigt hatten, plauderten mehr mit anderen oder
führten eher Telefonate. Hatten sie sich zuvor mit Geldbegriffen beschäftigt, so
wurde die verbleibende Zeit eher zum Studium oder für Schreibaufgaben genützt.
Ein Fragebogen beim Verlassen des Cafes zeigte, dass sich die Vertreter der
ersten Gruppe glücklicher und zufriedener fühlten als die der zweiten.
Erst die Zeit bringt Glück
"Geld motiviert Menschen zu mehr Arbeit. Arbeit macht jedoch nicht immer
glücklich, im Gegensatz zum Zusammensein mit geliebten Menschen. Der Gedanke an
Zeit bringt das stärker ins Bewusstsein", so die Studienautorin Cassie Mogilner.
Oftmals stehe nur das richtige Geldausgeben und -sparen im Fokus der Frage, wie
man glücklich wird. Das lasse jedoch darauf vergessen, dass Zeit eine viel
wichtigere Ressource sei. "Man sollte zwar nicht aufhören zu arbeiten, jedoch
häufig daran erinnert werden, dass Freunde und Familie auch Zeit brauchen",
empfiehlt die Forscherin.
Fritz Reheis schließt sich dieser Sichtweise an. "Der Neoliberalismus hat den
Spruch 'Zeit ist Geld' zum Glaubenssatz nicht nur der Wirtschaft, sondern sogar
für das Privatleben erhoben. Im Mittelalter hätte niemand den Satz verstanden,
da er in Wahrheit keine Gleichung ist. Denn es ist nur sehr begrenzt möglich,
Geld in Lebenszeit zu verwandeln", so der Experte. Falsch sei die Aussage auch,
da sich das Prinzip der Nutzenmaximierung aller als nicht nachhaltig
herausgestellt hat. "Das sieht man in den Krisen, den sozialen Ungleichheiten
und auch den ökologischen Problemen, die diese Denkweise ausgelöst hat.
Nachhaltig ist erst, was wie die Natur einem Kreislauf folgt."
Sinn braucht Auszeiten
"Geld und das, was wir mit ihm erwerben können, ist für uns immer faszinierend
und erstrebenswert. Doch es befriedigt unsere Sehnsüchte nie ganz", ergänzt
Peter Heintel vom Institut für Interventionsforschung und kulturelle
Nachhaltigkeit der Universität Klagenfurt
http://www.uni-klu.ac.at/iff/ikn. Höhere Dinge wie Glück oder der Sinn des
Lebens erschließen sich erst durch Reflexion, die wiederum nicht ohne Pausen-
und Auszeiten auskommt. "Früher gewährleisteten dies Feiertage ? bedeutet doch
Gottesdienst nichts anderes als über Sinn nachzudenken. Heute haben wir diese
Unterbrechungen des Alltags verloren. Erst deshalb wurden Fragen nach Sinn und
Glück modern", so Heintel. (presstext.deutschland)
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